Pressefreiheit und Meinungsbildung am Beispiel der Kinderfeindlichkeit!

Manipulieren die Medien die öffentliche Meinung?

 

Wie kommt es, dass seit 1980 die inflationsbereinigten Nettolöhne und Renten um ca. 20 % sanken, obwohl sich die Produktivität im gleichen Zeitraum verdoppelt hat? Meiner Meinung nach tragen die Medien an diesem schleichenden Niedergang die Hauptschuld, denn die Politiker sind meist nur Getriebene der öffentlichen Meinung.

 

Wie man geschickt das Anspruchsdenken schürt…
Mit welchen Mitteln die öffentliche Meinung gesteuert wird, möchte ich am Beispiel der "Kinderfreundlichkeit" exemplarisch darstellen.

Am 21. 1. 2013 verbreiteten unsere Tageszeitungen die Meldung von der vermeintlichen Kinderfeindlichkeit in Deutschland. Laut Umfrage hielten nur 15 % der Deutschen ihr Land für kinderfreundlich. In allen anderen Staaten war die Bevölkerung weit weniger kritisch. Selbst in den Krisenstaaten Spanien und Griechenland attestierte fast jeder zweite Bürger seinem Land das Prädikat "kinderfreundlich".
Meine Tageszeitung (Flensburger Tageblatt), widmete diesem Thema am 22. 1. 2013 auf der Titelseite eine Meldung, auf Seite 2 einen Kommentar und auf der letzten Seite schließlich noch eine längere Abhandlung.

Obwohl Umfrage-Zufriedenheitswerte wenig aussagen über die wahren Zustände im Lande, beeinflussen sie die öffentliche Meinung. Die "gefühlte" Kinderfeindlichkeit steht im krassen Gegensatz zu den tatsächlichen Gegebenheiten, denn in kaum einem Land wird für Kinder und Familien mehr getan als in Deutschland. Aber auf diese Widersprüche wird nicht eingegangen.

 

Das Monopol der Lokalzeitungen
Lokalzeitungen bilden die tragende Säule der Meinungsbildung. Das gedruckte Wort zählt meist mehr als die schnelle Abfolge von Nachrichtenkurzmeldungen im Funk und Fernsehen.

Jede Zeitung betreibt bereits zwangsläufig eine Zäsur. Sie wählt aus, was in welcher Größe auf die Titelseite kommt, wie und in welcher Form kommentiert wird usw.. Diese systembedingte Zäsur wäre erträglich, würden Zeitungen in angemessener Form Widerspruch (Leserbriefe) zulassen. Damit irreführende Meldungen und allzu schräge Kommentare zumindest ansatzweise korrigiert werden können.

 

Aufklärung unerwünscht!
Doch den Leserbrief betrachten manche Redaktionen offenbar als unliebsame Einmischung. Für den überregionalen Mantel meiner Tageszeitung mit etwa 12 Seiten Politik, Kultur und Wirtschaft gibt es nur eine klitzekleine Ecke für Leserbriefe (insgesamt ca. 40 kurze Zeilen). Und das bei einer geschätzten Auflage von durchschnittlich 150.000 Exemplaren.

Meine Zeitung muss bei der Auswahl also kräftig sieben. Drei bis vier zehnzeilige Leserbriefe können im Schnitt veröffentlicht werden - alle anderen Zuschriften landen im Papierkorb.
Doch nicht einmal diese kleine Auswahl scheint mir nach neutralen Gesichtspunkten vorgenommen. So werden zum Beispiel gerne relativ belanglose Meinungsäußerungen wiedergegeben, während fundamentale Richtigstellungen und Hinweise selten Beachtung finden.

 

Das konkrete Beispiel:
Entgegen den Zeitungsmeldungen sehe ich Deutschland nicht als das Land der Kinderfeinde. Mit wenigen Zeilen wollte ich dem in den Medien verbreiteten Klischee widersprechen. Der Wortlaut meines Leserbriefs:

Anspruchsdenken
Zu Berichten und zum Kommentar über die Kinderfreundlichkeit (Ausgabe vom 22. Januar 2013)

Nur 15 % der Deutschen halten ihr Land für kinderfreundlich! Doch diese Zahlen sagen rein gar nichts über die tatsächliche Lebensqualität unserer Kinder und Familien. Die Zahlen belegen vielmehr das unersättliche Anspruchsdenken an unseren Sozialstaat.
Nachdenklich stimmen auch die hohen Zufriedenheitswerte in Spanien und Griechenland, wo weit weniger Geld fließt und jeder zweite Jugendliche arbeitslos ist.

Manfred Julius Müller, Flensburg

Sie werden es sicher ahnen - dieser Leserbrief wurde von meiner Zeitung natürlich nicht abgedruckt. Stattdessen hat die Redaktion es für richtig befunden, nochmals zwei Leserbrief-Nachzügler eines bereits 14 Tage zuvor reichlich abgehandelten Themas zu präsentieren. (Es ging dabei um die Klage einer Frau, die sich gegen den Lärm des jährlich stattfindenden Wacken-Rockkonzerts richtete).
Die Auswahl der Leserbriefe scheint mir oft willkürlich und nach persönlichen Vorlieben des jeweiligen Redakteurs vorgenommen, ohne Rücksicht auf seine Relevanz und den Informationsgehalt.

 

Welche Folgen hat das geschürte Anspruchsdenken?
Dabei scheinen Redakteure oft gar nicht zu begreifen, welchen Einfluss ihre Meinungsmanipulationen auf die Gesellschaft haben. Mit den groß herausgestellten Umfrageergebnissen über die gefühlte Kinderfeindlichkeit wird wieder einmal Politik gemacht.
Unterschwelliger Tenor: Deutschland tut zu wenig für die Familien, es müssen weitere Gelder fließen (also noch mehr umverteilt werden). Dabei gibt es weltweit kaum einen größeren Staat, der mehr als die BRD in die Kinder- und Familienförderung investiert. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hat dieses Dilemma zwei Wochen später (Heft 6/2013) in einer Titelreportage sachlich aufbereitet.

 

Wie kommt es zu der gefühlten Kinderfeindlichkeit?
Unbestreitbar ist auch die deutsche Familienpolitik nicht perfekt und so manches verbesserungswürdig. Dennoch erscheint sie mir gegenüber den meisten anderen Staaten überaus großzügig und vorbildlich. Schuld an der schlechten Stimmung in der Bevölkerung scheinen mir vornehmlich die durch Medien, soziale Verbände, Politiker und Parteien geschürte Unzufriedenheit.

Auch das übersteigerte Anspruchsdenken resultiert weitgehend aus der unterschwelligen medialen "Erziehung". Oppositionsparteien und Medien machen auf sich aufmerksam mit der ständigen Anprangerung vermeintlicher Missstände und daraus abgeleiteter neuer Forderungen. Man will ständig mehr, ohne redlich darüber nachzudenken, wo das viele Geld herkommen soll.

Diese Forderungsmentalität überträgt sich inzwischen auf alle Bereiche unserer Gesellschaft. Angeheizt durch die Werbung wird das Streben nach Luxus zum Allgemeingut verklärt. Markenkult, eine "standesgemäße" Hütte und ein protziges Auto gehören zur unvermeidlichen Imagepflege unserer "aufgeklärten" Neidgesellschaft, wobei Kinder und Familie oft keinen großen Stellenwert mehr haben.

Wohlgemerkt hat das aber herzlich wenig mit mangelnder staatlicher Familienförderung und vermeintlicher Kinderfeindlichkeit zu tun. Deutschland ist durchaus kinderfreundlich. Die mediale Berichterstattung (und Werbung) jedoch verführt eher zum Konsumrausch als ein glückliches Familienleben als erstrebenswert erscheinen zu lassen.

Was in unserem Land wirklich kinderfeindlich ist, wird weitgehend tabuisiert. Als Folge der kostspieligen EU und des unmenschlichen innereuropäischen und globalen Lohndumpings stehen nicht nur die Erwachsenen, sondern bereits die Kinder und Jugendlichen unter enormen Leistungsdruck.
Wir sollen "besser als die anderen" und "die Ideenschmiede der Welt" sein, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können und genug Geld für die EU-Transferunion und millionenfache Asylbewerber zu haben.
Denn wir leben ja angeblich vom Export...

 

Wieviel Luxus braucht der Mensch?
Viele junge Leute entscheiden sich heute gegen Kind und Familie, weil dadurch der erreichte Lebensstandard in Gefahr geriete. Es fällt schwer, auf liebgewordene Statussymbole zu verzichten. Wenn überhaupt, will man halt beides: Wohlstand und Familie. Das sind aber Ansprüche, die der Staat allein nicht erfüllen kann.

Vor einigen Jahrzehnten waren die Verhältnisse völlig umgekehrt: Es gab kaum Kindergeld und Familienförderungen, trotzdem aber eine viel höhere Geburtenrate (die Pille gab es damals auch schon). Kinder und Familie waren den Menschen damals viel wichtiger als das Auto, eine große Wohnung oder ein neuer Farbfernseher. Dennoch waren (nach meinen Beobachtungen) die Menschen damals zufriedener.

 

"Der Staat verdient an jedem Kind 77.000 Euro!"
Etwa zwei Wochen nach der Kampagne über die vermeintliche Kinderfeindlichkeit in Deutschland wurde in einem Kommentar meiner Zeitung behauptet, unser Staat verdiene an jedem Kind 77.000 Euro.
Abgesehen davon, dass die Betonung auf jedes Kind schon dummdreist ist (nicht jedes Kind entwickelt sich zu einem nützlichen Glied unserer Gesellschaft), scheinen mit die Zahlen sowieso ungeheuerlich und völlig aus der Luft gegriffen. Der Staat investiert schließlich pro Kind bis zum Abschluss seiner Ausbildung mehrere hunderttausend Euro - wo bleibt da der Gewinn?
Ich habe die Radaktion mehrmals um Aufklärung gebeten, aber natürlich nie eine Antwort erhalten.

Vermutlich würde der Kommentator die 77.000 Euro mit späteren Steuer- und Sozialabgabenzahlungen rechtfertigen. Aber wie erklären sich dann bei derlei guten Geschäften die wachsenden Staatsschulden? Und niemand weiß schließlich, inwieweit Leistungsträger wegen zu hoher Abgaben später ins Ausland flüchten oder ob sich wegen des Zollfreihandels die Massenarbeitslosigkeit in Westeuropa weiter ausbreitet.

 

Das ausgeklügelte System der Beeinflussung:
Wie funktioniert Meinungsmanipulation?

1. Man stellt Behauptungen auf, am besten unterstützt durch einzelne herzergreifende Fallbeispiele.

2. Derart vorgeimpft startet man eine Meinungsumfrage, die bei geschickter Fragestellung fast zwangsläufig die gewünschten Resultate bringt.

3. Man veröffentlicht die Ergebnisse von Meinungsumfragen und behandelt diese Zahlen wie wissenschaftlich belegbare Studien.

4. Man vermeidet jegliche Aufklärung über die tatsächlichen Verhältnisse (im konkreten Fall die Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen) und blockt auch jegliche Einmischung der Leser oder Diskussionen ab.

5. Man gibt sich populistisch, schürt das Anspruchsdenken (mehr Umverteilung), anstatt auf die wahren Ursachen des Problems einzugehen. Zum Beispiel die sich ausbreitende Schicht- und Leiharbeit, die das familiäre Zusammenleben stark beeinträchtigt.

 

PS: Nachtrag 10. 4. 2013:

Vermutung bestätigt!
Nach einer aktuellen UN-Tabelle über das Wohlergehen von Kindern in 29 reichen Staaten belegt Deutschland den 6. Platz (hinter Niederlande, Norwegen, Island, Finnland, Schweden). Berücksichtigt man nur Staaten mit über 20 Millionen Einwohnern, liegt Deutschland sogar an erster Stelle in der Welt!

Kleinere Wohlfahrtsländer ohne einen hohen Anteil an Armutsflüchtlingen haben es nun einmal einfacher und sind mit einem größeren Staat wie Deutschland kaum zu vergleichen, zumal wenn sie wie Norwegen ihren Reichtum großen Erdölvorkommen verdanken oder wie Island (500.000 Einwohner) vor dem Bankrott gerettet werden mussten. Das krisengeschüttelte Griechenland belegte in dieser aufschlussreichen Tabelle übrigens Platz 25, die USA Patz 26, Litauen, Lettland und Rumänien bilden das Schlusslicht.
Die umfangreiche Studie berücksichtigte Daten aus den vergangenen sechs Jahren zu den Themenschwerpunkten finanzielle Situation, Gesundheit, Bildung, Suchtgefahren, Wohnen und Umwelt.

Fazit: Deutschland erweist sich im Vergleich als äußerst kinderfreundliches Land, die gefühlte Kinderfeindlichkeit in der Bevölkerung entbehrt jeder Grundlage (Folge eines überzüchteten Anspruchsdenkens).

Hintergrund:
Ist der Begriff "Lügenpresse" berechtigt?
Globalisierung: Was darf die Bevölkerung darüber wissen?
Der Witz des Jahrhunderts:
"Wir müssen Europa besser erklären!"
Volksverdummung: "Wir wollen ein offenes Europa!"
Ist das deutsche Existenzminimum eine Zumutung?
Die Inflationierung und Vergewaltigung der Menschenrechte...

 

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© Manfred J. Müller, Flensburg, Februar 2013
Initiative zur Förderung der politischen Bildung.
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Was hat uns die Weisheit der vielen Wirtschafts-Nobelpreisträger und der tonangebenden Ökonomen in den letzten Jahrzehnten gebracht? Die Konzerne wurden immer mächtiger, Millionen Aktionäre wurden sagenhaft reich - aber dem Durchschnittsbürger in den Hochlohnländern geht es heute schlechter als vor 40 Jahren (obwohl sich die Produktivität verdoppelt und die Leistungsverdichtung bei der Arbeit stark zugenommen hat).
Woran liegt, das? Was lief falsch? Der Klassiker "DAS KAPITAL und die Globalisierung" liefert überzeugende Antworten. Schonungslos offen, für jedermann verständlich.

Ab sofort im Buchhandel lieferbar (auch in den USA):

Leben wir in einer Scheinwelt?
Und darf es keine wirtschaftspolitischen Veränderungen geben?

Seit 1980 sind die Löhne und Renten in Deutschland deutlich gesunken, obwohl die Produktivität sich verdoppelt hat. Ist das normal, ist das hinnehmbar?
Die Arbeitslosenzahlen haben sich in den letzten 50 Jahren verzehnfacht - muss man auch damit leben?
Und ist es selbstverständlich, dass unsere "blendende Konjunktur" über eine Null-Zins-Billiggeldschwemme (also über die Druckerpresse) gestützt werden muss?
Und müssen wir auch noch den wachsenden Stress im Alltagsleben und bei der Arbeit widerstandslos hinnehmen?

Anstatt einmal innezuhalten und über die Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte nachzudenken, wird blindlings weitergewurstelt und eine allgemeine Jubelstimmung verbreitet ("Noch nie ging es uns so gut wie heute!"). Im Einklang mit dem Establishment und den internationalen Finanzmärkten preisen "unabhängige" Medien vorbehaltlos den "fairen und freien Welthandel" (der bei Lohnunterschieden von 1000 % aber alles andere als fair ist und in den meisten Bereichen heimischen Produzenten kaum eine Chance lässt).

Dabei geht es auch anders! Natürlich könnte man die Übermacht der Konzerne brechen! Auch der andauernde Monopolisierungstrend, die Steuerflucht und die fatale Abhängigkeit vom spekulativen Weltfinanzsystem und Turbokapitalismus ließen sich mit wenigen Eingriffen beenden - man muss es nur wollen. Es bedarf nicht einmal utopischer Wunschvorstellungen (internationaler Abkommen), wie manch prominente Ökonomen sie immer wieder scheinheilig anmahnen - jeder souveräne Staat kann autark handeln!

DAS KAPITAL und die Globalisierung
Plädoyer für die Entmachtung des Kapitals und die Rückbesinnung zur Marktwirtschaft.

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Macht es einen Sinn, den wirklich relevanten Fragen ständig auszuweichen?
Wie erklärt sich das kollektive Versagen der Ökonomen?


Manfred Julius Müller analysiert seit über 30 Jahren weltwirtschaftliche Abläufe. Er ist Autor verschiedener Bücher zu den Themenkomplexen Globalisierung, Kapitalismus und Politik. Manche Texte von M. J. Müller fanden auch Einzug in Schulbücher oder werden zur Lehrerausbildung herangezogen.
Die Analysen & Texte von Manfred Julius Müller sind überparteilich & unabhängig! Sie werden nicht, wie es leider sehr häufig der Fall ist, von staatlichen Institutionen, Global Playern, Konzernen, Verbänden, Parteien, Gewerkschaften, der EU- oder der Kapitallobby gesponsert!

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